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Mekelle, Gheraltamassiv & Umgebung

Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Gastbetrag einer Mitfreiwilligen von mir, da sie in der Region gelebt hat und sich viel besser auskennt. Nähere Informationen hier. Viel Spaß beim Lesen 🙂

Die Region Tigray im Norden Äthiopiens besitzt nicht nur eine bewegte Geschichte, sondern zahlreiche sehenswerte Orte. Meine Reisetipps sollen auf die Sehenswürdigkeiten der Region rund die Hauptstadt Mekele aufmerksam machen. Die Reiseroute geht von Mekele aus nach Wukro, in die Region Gheralta, die durchzogen ist von rötlichen Gesteinsformationen, auf dessen Spitzen sich jahrhundertealte Kirchen mit Malereien erhalten haben.

Ich habe ein Jahr in Mekele gelebt und habe in dieser Zeit die besprochenen Orte besichtigt. Es ist möglich, dass nicht alle Informationen aktuell sind – daher lohnt es immer, die Leute vor Ort zu fragen. Es wird gerne Auskunft gegeben; sollte das Englisch nicht ausreicht, auch mit Händen und Füßen. Im Regelfall wird man als Tourist in Gheralta aber einen Guide dabeihaben, der sich auskennt.

Agency Auto, Fahrer und Guide kann man bereits in Mek´ele über eine Tourist-Agency buchen (zum Beispiel in der Nähe des Aksum-Hotels, Beschreibung siehe unten), wobei man höhere Preise für Touristen in Kauf nehmen muss. Es lohnt sich aber, die Preise mehrerer Anbieter zu vergleichen und zu verhandeln. Möglich ist auch, mit dem Minibus nach Wukro zu fahren (Abfahrt am Busbahnhof) und von dort ein Auto zu buchen. Sonst sind Buchungen auch über die Gheralta Lodge möglich (s.u.)

Mekelle

Die Hauptstadt der Region Tigray, auf amharisch መቀሌ, ‘Mäqäle’, hat zur Zeit etwa 200.000 Einwohner, wächst jedoch laut Wikipedia jährlich um ca. 5%. Für die Region sind die große Universität sowie der Autohersteller Mesfin wichtige Arbeitgeber. Touristen legen oft einen Zwischenstopp ein, um von hier aus weiter Richtung Aksum im Norden oder in die Danakil-Wüste[1] im Osten zu fahren.

Plant man ein bisschen Zeit in Mekele ein, lohnt sich die Besichtigung des (vielleicht noch in der Renovierung befindlichen) Königspalastes von Atse (= König) Yohannes IV, der im 19./20. Jahrhundert in Mek´ele residierte. Man findet den Palast in der Innenstadt am Ende der „Auto-Ersatzteilstraße“ – Passanten kennen das Museum und werden gerne Auskunft geben. Die kleine Sammlung des Museums bietet eine beeindruckende Übersicht über die tigrinische Geschichte:

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Straßenszene in Mekelle

Von Rokoko-Möbeln europäischer Königshäuser, die von intensiven diplomatischen Beziehungen berichten, Elefantenstoßzähnen, aufwändig bestickten und mit Löwenfell dekorierten Umhängen, antiken Gefäßen und einem Bronzekopf Mussolinis aus der italienischen Besatzungszeit. Des weiteren ein Raum mit traditionellen Kirchenmalereien, noch heute ein geschätztes Kunsthandwerk.

Der Romanat Square ist das asphaltierte Zentrum der Stadt; hier lohnt sich ein frisch gepresster Saft aus Orange, Ananas, Avocado etc.

Das Aksum Hotel ist das teuerste der Stadt; hier versammeln sich Expats und ausländische Reisegruppen, wobei äthiopische Authentizität natürlich woanders zu finden ist. Man kann ebenso gut in einer der vielen günstigen Herbergen nächtigen, wenn sie einen sauberen Eindruck machen. In den vielen Straßenrestaurants bekommt man köstliches Injera mit Wot hier. Auch ein Stopp auf einen Kaffee für wenige Birr an einer der kleinen Kaffeebuden auf der Straße gehört dazu. Dazu werden auf dem Kohleofen geröstetes Popcorn und Kekse gereicht.

Die Straße zum Aksum Hotel ist die Flaniermeile der Oberschicht. Hier kann man nach europäischem Standard einkehren, zum Beispiel gegenüber vom Aksum Hotel im XO-Café, das einem Hipster-Laden in einer europäischen Großstadt in nichts nachsteht. 200 m weiter unterhalb des Aksum Hotels (rechte Seite) gibt es den besten Milchkaffee; außerdem wurden in den letzten 2 Jahren aufgrund des Wirtschaftsbooms sicher zahlreiche weitere Läden eröffnet. Laue Abende mit guter Steinofenpizza oder Burgern und frisch gezapften Bier kann man im Innenhof des Karibu Kitchen & Bar verbringen (im Südwesten der Stadt Nähe Alula Street; Nähe Abraha Castle). Auch lohnt es sich, zum Abraha Castle hochzulaufen und oben die Aussicht zu genießen.

[1] Die Danakil-Senke ist aufgrund eines aktiven Vulkans, der Wüste und der Salzseen ein beliebtes Touristenziel, allerdings gab es im Jahre 2012 einen Überfall und Entführungen von Touristen. Daher rät das Auswärtige Amt bislang von Reisen in die Danakil-Wüste und die nördl. Afar-Region ab. Es werden Reisen angeboten, aber auf eigenes Risiko.

Gheralta

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Panorama auf das umliegende Gheraltamassiv

Wenige Autostunden von Mekele entfernt liegt das Gheralta-Massiv, eine atemberaubende Felslandschaft mit 800 Jahre alten Felsenkirchen (s.Titelbild). Diese sind der Sage nach durch ihre versteckte Lage hoch oben in den Felsen von der Zerstörungswut der jüdischen Königin Gudit verschont geblieben, die Jahre 960 n.Chr. die Herrschaft an sich gerissen und damit die aksumitische Dynastie beendet haben soll. Auch wenn uns ein Priester sogar die Brandspuren dieser Ereignisse in einer Kirche zeigen konnte, sollte man natürlich gewisse antisemitische Tendenzen mancher orthodoxer Christen im Kopf behalten. Die jahrhundertealten Kirchen mit ihren Wandmalereien sind noch heute spirituelle Zentren der umliegenden Dorfgemeinschaften. Jeden Sonntag pilgern die Bewohner der am Fuße der Felsen liegenden Orte zu den Kirchen, um dort Gottesdienst zu feiern. Die Kirchen werden von Priestern und Einsiedlern gepflegt.

Um zu den Kirchen zu gelangen, muss man zum Teil steile Anstiege auf sich nehmen. Manche Orte sind so versteckt, dass wie Königin Gudit nicht viele Reisende dorthin finden. Aus diesem Grund möchte ich alle Leser darauf hinweisen verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll zu reisen. Dazu gehört, in den Kirchen die Schuhe auszuziehen, nicht die Wandmalereien zu berühren, die Gläubigen nicht zu stören und bettelnden Kindern kein Geld zu geben (weitere Informationen dazu auf dem Blog). Ich selbst hatte das Glück, von „Insidern“ die schönsten Orte gezeigt zu bekommen und möchte das niemandem vorenthalten; trotzdem sind die Einflüsse durch einen sich verstärkenden Tourismus besorgniserregend, der diese Orte zwangsläufig verändern wird.

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Gheralta Lodge

In Hawzien befindet sich die Gheralta Lodge, in der sich – trotz des merkwürdigen Gefühls, sich inmitten trockener Äcker in einer abgezäunten Luxuslodge zu befinden – unbedingt eine Übernachtung lohnt! Das versteckt liegende Hotel verbindet äthiopisches Interieur mit anspruchsvollem Service und einer erstklassigen italienischen Küche. Nachts kann man den unendlichen Sternenhimmel bewundern und in der Stille nach leisem Hyänengeschrei lauschen. Dafür so früh wie möglich auf www.gheraltalodgetigrai.com vorbuchen; die Lodge ist regelmäßig ausgebucht. Von der Lodge erreicht man das Dorf Hawzien bequem zu Fuß. Gut, wenn die lokale Bevölkerung die „ferengis“ (Ausländer) nicht nur durch getönte Autoscheiben zu sehen bekommt, sondern als aufmerksame Spaziergänger. In der Lodge bekommt man alle Infos zu den Ausflügen zu den Felsenkirchen in der Umgebung. Auch kann man bequem ein Auto mit Guide für die Kirchen zu Festpreisen buchen.

Ein beliebter Tagesausflug führt zur einer weiteren Kirche im Gheralta-Massiv, der Abuna Jemata Guh. Dies ist mit ein wenig mehr Kletterei verbunden als Maryam Korkor, lohnt sich aber sehr. Oben angekommen, führt ein schmaler Felsgrat zur Kirche, welcher von den äthiopischen Helfern schwindelfrei erklommen wird. Diese bekommen für die Kletterhilfe ein Trinkgeld.

Wukro und Umgebung

Von Mekelle aus fährt man auf der Hauptstraße (“China-Road”), die asphaltiert ist, nach Süden bis Wukro – entweder mit dem Minibus oder dem eigenen Auto weiter (Allradantrieb). Wukro

Das ruhige Städtchen ist links und rechts der Straße angeordnet. Auf der rechten Seite befindet sich der Eingang zur Agraruniversität. Auf dem Weg dorthin liegt auf der linken Seite ein Kinderheim, in dem US-amerikanische Freiwillige ein Projekt für Lederschmuck initiiert haben – wenn man den Ort findet, lohnt es sich, das Projekt zu unterstützen.

Von Wukro aus fährt man weiter auf der Straße Richtung Negash. Dabei passiert man eine auf PICT0489 der linken Seite gelegene Hängebrücke, die über eine Schlucht mit Wasserfall gebaut wurde. Hier kann man schon mal seine Höhenangst für die spätere Kirchenbesteigung testen. Rechnen muss man mit einer munteren Schar Kinder, die von irgendwoher angerannt kommen und nach Wasser und Stiften fragen. Freundliches Kommunizieren reicht aus; wenn man eine Flasche übrig hat, kann man die nach eigenem Ermessen natürlich geben.

Weiter auf dieser Straße liegt rechter Hand die Emmanuel Church, dessen kleines Museum man besichtigen kann.

Auf dem Weg nach Norden führte uns unser Reiseleiter auch zu einer Ausgrabungsstätte, in der in Kooperation mit einer deutschen Uni ein Tempel aus präaksumitischer Zeit gefunden wurde. Ein Museum war geplant und ist vielleicht schon in Betrieb.

Die erste zu besichtigende Kirche ist Abraha Atsbeha, zu der eine unbefestigte Straße nach links abzweigt. Die dortigen Wandmalereien und Holzschnitzereien sind den kurzen Abstecher wert. Außerdem kann man mit etwas Glück frei lebende Affen beobachten.

DSC032660Mehr noch lohnt sich aber die Wanderung zur Kirche Maryam Korkor.  Für den steilen und teils ausgesetzten Aufstieg muss man zwei bis drei Stunden einplanen, wird dafür aber mit fantastischen Bergpanoramen belohnt. Im Inneren der Kirche befinden sich schöne Malereien von Bibelszenen. Geht man links um die Ecke, kommt man zu der kleinen, weiß getünchten Kapelle Daniel Korkor, die ebenfalls mit bunten Malereien ausgemalt ist. Von dort hat man einen kilometerweiten Ausblick!

DSC03299Mariam Korkoer

 

 

 

 

 

Achtung: Möglichst vorher in Erfahrung bringen, ob der Priester der Kirche, der 78-jährige Aba Tesfa Selassie , anwesend ist. Bei meinem zweiten Besuch standen wir vor einer verschlossenen Kirche, da der Priester an dem Tag ins Dorf hinabgestiegen war.

Fährt man weiter bis in den Ort Negash, kann P10205270man die Moschee mit den Gräbern der Familienmitglieder des Propheten Mohammed bewundern: So sollen hier 11 Männer und Frauen im Jahre 615 n.C. vom äthiopischen König Asyl erhalten haben. Dies stellt bis heute eine Garantie für den Religionsfrieden zwischen Muslimen und Christen im Land dar. In Negash erzählte man uns von der Tradition, einmal im Jahr in einer Prozession die Einrichtung der Moschee bzw. Kirche in das jeweils andere Gotteshaus zu tragen, um dort zu beten.

 



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