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Die Welt rückt zusammen

Vor ein paar Tagen saß ich auf meinem Balkon, träumte vor mich hin und genoss die ruhige Minute. Das hielt jedoch nicht all zu lange an, da meine Nachbarn, die in der Wohnung über mir wohnen, es sich auf ihrem Balkon bequemt machten und lauthals anfingen, über ihre Reisepläne zu diskutieren. Dabei machten sie Sprünge um den ganzen Globus und waren sich in keinster Weise einig, ob es sich lohnt, für die schönen Strände nach Thailand zu fliegen oder ob Mallorca für diese Zwecke auch ausreicht.

Einer warf dann den Alternativvorschlag ein, dass es in Bali ja auch sehr schöne Strände gibt, woraufhin der andere meinte: “Ich flieg nicht bis nach Bali! Sandra war da letztes Jahr und die hat 21 Stunden gebraucht, bis sie mal in ihrem Hotel ankam. Das dauert zu lange, voll anstrengend.”

Ich habe immer wieder das Gefühl,…

dass sie meisten Leute in dieser globalisierten Welt, in der selbst das andere Ende der Welt nicht einmal eine Tagesreise entfernt ist, das Bewusstsein für Distanzen komplett verloren haben.  Ihr kennt das ja bestimmt: Man schaut sich eine Weltkarte an, auf der alles zusammengeschrumpft ist und denkt sich, hey, warum sollte ich nicht ans andere Ende der Welt reisen? Flüge in einem angemessenen Preis findet man in so ziemlich jeden Winkel der Erdkugel  und Interesse an fernen Ländern haben viele.

Bevor ich im März nach Bangkok geflogen bin, habe ich zwar gewusst, dass Thailand weit entfernt ist, es aber nicht wirklich begriffen. Dann saß ich im Flugzeug und auf dem Monitor in dem Sitz vor mir bewegte sich dieser rasende Flieger in einem Schneckentempo über die Erdoberfläche. Zum ersten Mal realisierte ich, was wir für eine wahnsinnige Distanz hinter uns brachten und ganz nebenbei an die zehn Länder übersprangen.

Man macht beim Fliegen einen Sprung in eine andere Welt….

und begreift dabei weder die Veränderung der Landschaft, des Klimas oder der Kultur. Die unendlichen Weite der einzelnen Länder und Kontinente werden zusammengestaucht und vereinfacht. Ich fragte mich: Sind diese zehn Länder so unbedeutend, als dass man sie einfach überspringen kann? Kommt man nicht besser in einer Kultur zurecht und nimmt mehr von dem Land mit, wenn man sich dem ganzen langsam angenährt hat, anstatt einfach hereingeworfen zu werden?

Als ich auf dem Weg von Kambodscha zurück nach Bangkok im Überlandbus saß, dachte ich darüber nach, wie cool es wäre jetzt einfach immer weiterzufahren, bis ich irgendwann wieder in Deutschland ankomme. Natürlich war diese Idee rein hypothetisch, weil ich den Flug schon gebucht hatte und zwischen Thailand und Deutschland doch ein paar problematische Länder liegen, bei denen man sich zehnmal überlegen sollte, ob man diese auf dem Landweg durchquert. Trotzdem faszinierte mich der Gedanke, nicht nur Deutschland und Kambodscha als Ausgangspunkte zu haben, sondern das was dazwischen liegt zu akzeptieren und diesen Regionen der Welt eine Chance zu geben, genauso entdeckt und bereist zu werden wie Kambodscha.

Aus Zeitgründen, der Angst vor unbekanntem Terrain oder schlicht aus Mangel an Interesse…

werden sich wahrscheinlich weiterhin die wenigsten für solch eine Reisealternative entscheiden- und viele werden dann eine Reise von 21 Stunden bis nach Indonesien immer noch als zu lange empfinden. Die Welt rückt gefühlt zusammen – Rein geografisch betrachtet, ist dies natürlich nicht der Fall und genau diese Diskrepanz macht uns, wenn wir uns damit auseinandersetzen, stutzig, irritiert und vielleicht hat man auch einfach das Gefühl, als kleiner Mensch dieser Weite nicht gewachsen zu sein. Phänomene wie Jetleg und Kulturschock gehen damit einher.

Mir ist bewusst, dass man manche Reiseziele, z.B. Süd- und Nordamerika von Europa aus ohne ein Flugzeug fast nicht erreichen kann (außer man hat die Zeit und das Geld das Schiff zu nehmen), aber es gibt genug andere Ziele,vor allem innerhalb von Europa, die man problemlos auf dem Landweg erreichen kann oder man kann alternativ Teilstücke Überland zurücklegen. Auch ich habe mich dazu entschieden für mein Praktikum, dass Mitte Oktober in Kapstadt beginnt, nach Daressalam, Tansania, zu fliegen und dann über Sambia und Namibia bis nach Südafrika zu fahren. Ich bin schon sehr gespannt (Aaaahh!) und werde hier natürlich darüber schreiben.

 



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One Person Reply to “Die Welt rückt zusammen”

  1. Hey Chrissy,
    mir geht es mit den Distanzen ganz ähnlich. Ich bin, als ich im Norden studiert habe, ja ein paar mal mit dem Flugzeug innerhalb Deutschlands geflogen, und selbst da verliert man schon das Gefühl dafür, welche Distanz das eigentlich ist. Und man verliert auch so viel von den landschaftlichen Eindrücken! Da muss man sich halt immer überlegen, ob es schnell gehen muss oder ob man mehr vom Land sehen möchte.
    LG ♥ Jean