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Now Reading: Alleine einmal quer durchs südliche Afrika? Und dann auch noch als Frau? Ein Resumé

Alleine einmal quer durchs südliche Afrika? Und dann auch noch als Frau? Ein Resumé

Als Skepsis könnte man den Ausdruck in den meisten Gesichtern derer bezeichnen, denen ich vor über einem halben Jahr von meinem Plan erzählte, nicht nach Kapstadt zu fliegen, sondern von Dar Es Salaam aus mit dem Bus bis nach Südafrika zu fahren. Begeisterung war bei vielen auch dabei, sowie Neugierde und das übergreifende Reisefieber. Aber auch Entsetzen und Kopfschütteln meines Gegenüber blieben mir nicht erspart. Kurzum: Die Reaktionen waren bunt durchmischt, ganz ohne Bedenken waren sie jedoch in den wenigsten Fällen.

In der Woche, in der ich beschlossen hatte…

diesen bisher nur wagen Plan tatsächlich in die Tat umzusetzen, war ich einfach nur euphorisch von der Idee und stürzte mich kopfüber in die Planung des Trips. Nach vier Tagen, in denen mein Schreibtisch und mein Laptop vor Reisefieber bebten (und ich natürlich mit), war tatsächlich alles, was man im Voraus organisieren konnte, unter Dach und Fach. Die Eckdaten waren überschaubar, eine grobe Route wurde gelegt, die Länder auf der Seite des Auswärtigen Amtes genau auf Reisetauglichkeit geprüft, ein paar potentielle Coachsurfer wurden kontaktiert und ein Lonley Planet besorgt. Fertig.

Der ganzen Reise ein festes Gerüst zu verleihen, indem Hostels oder andere Buchungen im Voraus vorgenommen wurden, passte nicht in mein Konzept, passt nicht in das Konzept der Region. Alles funktioniert, aber es funktioniert spontan, von Tag zu Tag neu überlegt, von Tag zu Tag neu umgesetzt. Planung ist nicht nur überflüssig, sondern auch kaum umsetzbar. Auch das verunsicherte Viele, denen ich davon berichtete: Das große Unbekannte. Buh!

Mit jeder Woche, mit der ich der Abreise näher kam…

und mit jeder weiteren Person, der ich von meinen Plänen erzählte, stiegen auch meine eigenen Zweifel. Zu Beginn war ich hundertprozentig von dieser Idee überzeugt gewesen. Doch jeder Zweifler übertrug einen kleinen Teil seiner/ihrer Skepsis auf mich, bis ich kurz vor der Reise fast am Durchdrehen war. Ich dachte mir: “Warum tue ich mir das an?” Einer der größten Sorgenpunkte war, dass ich alleine als Frau im “gefährlichen Afrika” unterwegs war (Was natürlich total undifferenziert ist). Es wurde nicht wortwörtlich so ausgedrückt, aber es wurde gedacht. Ich stand am Flughafen in Frankfurt und machte mir fast in die Hose, die Euphorie zu Beginn meiner Reiseplanung war nur noch eine wage Erinnerung. Ich wusste genau, dass diese Ängste nicht berechtigt waren, doch sie waren dauerhaft präsent. In den letzten Tagen vor meinem Abflug fand in mir ein Kampf zwischen Wissen und Vernunft und von der Außenwelt übernommenen Ängsten statt.

Aber natürlich setzte ich mich in den Flieger nach Dar Es Salaam, wider meiner Panik, als ich am Flughafen stand und wider aller kritischer Stimmen, die in meinem Kopf widerhallten. Während ich im Flugzeug saß befand ich mich – in vielerlei Hinsicht- im Schwebezustand. Doch als ich am nächsten Tag in Tansania landete, aus dem Flughafen lief und mich umschaute wusste ich einfach, dass ich es packen würde. Alle Zweifel waren fort und ich war in meinem Elememt. Mir wurde bewusst, dass all die kritischen Stimmen kein wirkliches Wissen hatten, ihnen wurde augenblicklich das Fundament entzogen und mein Optimismus kam zurück. Eine wunderbare Reise begann.

Die dreieinhalb Wochen in denen ich unterwegs war…

haben mich in vielerlei Hinsicht bereichert- und bestätigt. Die wenigsten hatten daran geglaubt, aber die Reise verlief weitgehend problemlos. Selbstverständlich habe ich mich ein paar Mal in etwas komischen Situationen wiedergefunden, in denen ich mir dachte: “Okay, hoffentlich geht das gut.” Aber ich habe jedes Mal unglaublich liebe und hilfsbereite Menschen kennen gelernt, die mir immer nach bestem Wissen und Gewissen geholfen haben – sie haben im Nachhinein betrachtet, jede noch so merkwürdige Situation in eine positive Erinnerung verwandelt.  Die Tatsache, dass ich alleine als weiße Frau reiste, stellte sich auch ziemlich bald nicht als Problem heraus, sondern als dicker Bonus. Ich fiel auf. Andere Reisende wurden auf mich aufmerksam, weil ich mit meinen 22 Jahren mit Abstand die jüngste Reisende war (die meisten waren zwischen Mitte 20 bis Mitte 30). Locals sprang ich ins Auge, weil ich alleine als weiße Frau reiste. Jede Person, mit der ich während meiner Reise in Kontakt trat, zollte mir uneingeschränkten Respekt, mir wurde durchweg geholfen und die meisten zeigten einfach großes Interesse: Warum reist du alleine? Was machst du hier? Wo kommst her, wo willst du hin? Interessanterweise schienen sie teilweise auch ähnliche Bedenken zu haben, wie meine Lieben daheim, taten deswegen ihr Bestes, um mich zu unterstützen und zu “beschützen” und entkräfteten damit die Sorgen.

Das südliche Afrika ist reisetechnisch nicht mit Südostasien oder Australien zu vergleichen. Wenn man individuell reisen will, muss man die Reisestrukturen der Locals nutzen oder sich ein Auto mieten, um mobil zu sein. Für Touristen konstruierte Bus oder Reisestrukturen findet man- abgesehen vom Baz Bus in Südafrika- nirgendwo. Somit gilt diese Region für viele als “schlecht bereisbar” aufgrund “mangelnder Strukturen” (was natürlich Unsinn ist). Außerdem denken viele- aus welchen Gründen auch immer- , dass die Region unsicher sei. Ironischerweise ist Südafrika das einzige Land mit einer erschreckend hohen Kriminalität und trotzdem gleichzeitig das am meisten bereiste Gebiet. Alle anderen Länder sind sicher und stabil! Da diese (unberechtigten) Bedenken jedoch viele Reisende abschrecken, habe ich mich schon darauf eingestellt, den größten Teil meiner Reise alleine unterwegs zu sein. Umso überraschter war ich, als sich herausstellte, dass das südliche Afrika eine beliebtere Rennstrecke ist, als gedacht. Vor allem die Route Nairobi- Dar Es Salaam -Kapstadt wurde über diverse Varianten bereist. Livingstone bildet dabei einen Schmelztigel, in dem Reisende aus dem südlichen und östlichen Afrika aufeinander treffen. Für mich persönlich boten die bereisten Länder eine gute Balance: Es gab relativ wenige Indivialreisende, aber doch so viele, dass man nie wirklich alleine war. Rückblickend bin ich auf meiner ganzen Reise insgesamt gerade einmal drei Tage alleine unterwegs gewesen. In der restlichen Zeit habe ich mich immer wieder völlig flexibel mit anderen Reisenden zusammengeschlossen.

Sehr spannend fand ich auch die anderen Reisenden, die ich kennen gelernt habe. Es handelte sich dabei um einen komplett anderen Schlag von Menschen, als die Reisenden, die ich zum Beispiel in Südostasien kennen gelernt hatte. Die meisten waren, wie bereits oben erwähnt, zwischen Mitte 20 und Mitte 30. Sie hatten schon unglaublich viel Reiseerfahrung, gingen souveräner mit Situationen um, hatten einen anderen Blickwinkel auf die Welt und das Leben- Und hatten mir dadurch wirklich etwas zu erzählen.

Diese Reise war nicht nur für mich…

sondern auch für alle Frauen da draußen, die sich individuelle Soloreisen nicht zutrauen oder sich nicht vorstellen können, abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs zu sein. Es ist ein großer Schritt, keine Frage. Auch ich habe davor gezittert. Es ist auch nicht einfach, es ist nicht bequem. Man braucht ein gewisses Maß an Reiseerfahrung, sonst tut man sich extrem schwer.  Aber all das wird durch die Erfahrungen und unglaublichen Momente tausendmal wett gemacht. Man reist flexibler, freier, kompromissloser, näher am Land, anders. Man wächst daran.

Vor allem aber sollte man sich nicht von seinem Umfeld beeinflussen lassen. Man sollte den Mut haben, in die Länder zu reisen, die man persönlich spannend findet- egal, was andere sagen. Man sollte sich nicht emotional steuern lassen, sondern informieren, wie die Lage und Reisesicherheit tatsächlich ist. Und man sollte sich überwinden, so zu reisen, wie man es selbst am meisten möchte – selbst wenn das bedeutet, dass man solo sechstausend Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer über einen Kontinent fährt. Dann ist es halt so.  Bereut habe ich es nie. Im Gegenteil, ich bin eher stolz darauf. Und das ist es, was neben den großartigen Erinnerungen bleiben wird.

 

Bist du auch schon im südlichen Afrika gereist? Was waren deine Erfahrungen?

Welche Erfahrungen hast du schon zu Soloreisen gesammelt?

Bin schon gespannt auf eure Kommentare 🙂

 

Ausblick: Auf meiner Reise habe ich Tansania, Sambia, Namibia und Südafrika durchquert. Über alle Stopps habe ich in der Kategorie Länder – Von Dar Es Salaam nach Kapstadt, geschrieben. Nun habe ich endlich mein Reisewissen in zwei Beiträgen zusammengefasst. Es geht um die Themen Packen, Kosten, Unterkünfte, Sicherheit, Überland Reisen und Grenzübergänge. Zusammengefasst für alle Individualreisenden, die, genauso wie ich, (bisher) ergebenislos das Internet nach diesen Informationen durchforstet haben. Traut euch, es ist gut machbar!

Von Tansania bis Südafrika- Meine persönlichen Reisetipps I

Von Tansania bis Südafrika- Meine persönlichen Reisetipps II



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12 People Replies to “Alleine einmal quer durchs südliche Afrika? Und dann auch noch als Frau? Ein Resumé”

  1. Sehr schön geschrieben und in Vielem sprichst du mir aus der Seele. Ich bin vor einigen Jahren auch als Solo Traveler im südlichen Afrika gereist, Südafrika- Mosambik-Simbabwe-Sambia, eine wundervolle Erfahrung. Deine Strecke ist daher für mich wirklich sehr spannend, da ja noch ein wenig anders : )

    1. Hey Antje,
      vielen Dank, das freut mich! 🙂 Ja, ich habe wirklich auch mehr allein reisende Frauen getroffen als gedacht und egal welche Route sie genommen haben, sie waren alle begeistert! Die Region hat einfach so viel zu bieten! Mosambik und Simbabwe stelle ich mir auch super interessant vor.
      Liebe Grüße 🙂

  2. Toller Artikel, der mir absolut aus der Seele spricht! 🙂 ich bin nach meinem Auslandssemester 2 1/2 Wochen alleine mit dem Baz Bus durch Südafrika gereist und es war eine absolut bereichernde Erfahrung! Ich hatte die grobe Route zwar vorher im Kopf, genoss aber die Spontanität des alleine Reisens und blieb dort wo es mir gefiel einfach länger. Und bis auf 2 oder 3 Tage war ich tatsächlich nie allein und die Menschen aus aller Welt sowie Locals waren alle sehr offen und freundlich. Am war ich Ende stolz darauf, es trotz aller Bedenken von Familie und Freunden durchgezogen und genossen zu habe! 😉
    Ich werde auf jeden Fall wieder alleine losziehen!
    LG Annika

    1. Hey Annika,
      freut mich sehr, dass dir mein Beitrag gefallen hat 🙂 Ich habe bisher nur Positives über das Reisen im südlichen Afrika gehört, du hast es hiermit ein weiteres Mal bestätigt! 🙂 Ich freue mich immer wenn positive Erfahrungen aus der Region verbreitet werden, weil die Vorurteile riesig – und vor allem unberechtigt- sind! Wir bereuen es auf jeden Fall beide nicht, dass wir einfach unser Ding durchgezogen haben, mich juckts auch schon wieder 😉
      Liebe Grüße,
      Chrissy

  3. Tolle Artikel und genau meine Meinung!

    Ich war vor knapp zwei Wochen mit meiner Mama im Mietwagen in Namibia unterwegs. Von überall her kamen bedenken a La: Ihr zwei als Frau? Das ist doch gefährlich….
    Als wir den genauer nachgefragt haben, was den genau gefährlich sei, hatte natürlich keiner eine Antwort und einige wusste noch nichtmal, wo Namibia liegt.
    “Überraschenderweise” ist unsere Reise problemlos verlaufen.

    Ich freue mich auf jeden Fall sehr deinen Blog entdeckt zu haben und lese mir gleich erstmal deine Berichte durch 🙂

    Liebe Grüße,

    Lynn

    1. Hey Lynn,

      vielen Dank für deine lieben Worte! 🙂 Es ist wirklich erstaunlich, wie hartnäckig viele, die nie im südlichen Afrika unterwegs waren, nur auf der Basis von Vorurteilen gegen diese Region “arguementieren”! Gerade deswegen ist es unglaublich wichtig sich ein eigenes Bild zu machen und als Rückkehrer gegen diese Klischees zu arbeiten. Ich bin immer wieder entsetzt was viele denken, dabei ist die Region so spannend und unproblematisch! Namibia zum Beispiel habe ich auch als sehr sicheres Land erlebt! Wie lange warst du denn dort und was hast du dir angeschaut?

      Liebe Grüße,
      Chrissy 🙂

      1. Ich war knapp 3 1/2 Wochen unterwegs und habe eigentlich fast alle Highlights gesehen 🙂 Keetmanshoop, Fishriver Canyon, Lüderitz, die Namib, Swakopmund (ich teile übrigens deine Gedanken zu der Stadt. Ich habe mich dort ähnlich unwohl gefühlt), Damaraland, Etosha und Waterberg.
        Falls es dich interessiert kannst du auf meinem Blog Lieschenradieschen Reist noch mehr dazu lesen und sehen 🙂

        Liebe Grüße,
        Lynn

        1. Das hört sich echt nach einer spannenden Rundreise an! Ich werde auf jedemn Fall in den nächsten Tagen mal auf deinem Blog vorbeischauen 🙂
          Liebe Grüße,
          Chrissy

  4. Respekt. Das beste was man machen kann, ist den Bedenkenträgern nicht zuzuhören – und sein Ding zu machen. Ich war ja in allen 53 afrikanischen Ländern, allerdings als Mann – und bei den meisten Reisen erheblich älter als du – und kann nur Positives berichten. Interessant zu hören, dass du als junge Frau ähnlich positive Erlebnisse hattest. Allerdings ist es natürlich wichtig nicht zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Jedes Erleben ist natürlich ein subjektives. Hat man aber eine positive Grundeinstellung, wird in der Regel eh alles gut. Danke für den klasse Bericht!

    1. Hallo Wolfgang,
      vielen Dank für deinen Kommentar, ich stimme dir zu hundert Prozent zu! Ursprünglich hatte ich mir überlegt komplett von Deutschland bis nach Kapstadt aufm Landweg zu fahren, aber man muss realistisch sein: Ägypten oder den Sudan alleine als Frau bei der aktuellen politischen Lage zu durchqueren, ist einfach keine gute Idee.
      Die meisten, die solche Reisepläne kritisieren, haben leider in den meisten Fällen wirklich keinen Ahnung und argumentieren mit Halbwissen und Ängsten. Auch deswegen habe ich diesen Beitrag geschrieben: Ich möchte, dass die Leute über umdenken und den Mut haben, sich ein eigenes Bild zu machen.
      Es freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat und du selbst auch durchweg positive Erfahrungen beim Bereisen von afrikanischen Ländern gemacht hast! 🙂

      Liebe Grüße
      Chrissy

  5. Huhu,

    danke für den Bericht =) Ich möchte auch gerne alleine verreisen, habe aber bisher noch ein bisschen Respekt vor weit entfernten Zielen und als Studentin auch weniger Geld – aber Dein Beitrag inspiriert mich richtig ^^ Jetzt bekomme ich auch Lust zu reisen

    LG Alice
    http://www.masturdating.de

    1. Hallo Alice,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Genau dafür habe ich diesen Beitrag geschrieben: Um zu inspirieren und Mut zu machen! 🙂 Und für den Anfang muss man ja auch nicht gleich in die Ferne schweifen: Es gibt genug Ziele in Europa, die sich für Soloreisen wunderbar als Einstieg anbieten.

      Liebe Grüße 🙂
      Chrissy