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Kapstadtgeschichten: Ein Plädoyer an Minibusse

Kapstadtgeschichten: Ein Plädoyer an Minibusse


Vor einigen Tagen bin ich auf Tinas Blog choices-of-life auf den Aufruf zu einer Blogparade zum Thema Mein unvergesslicher Reisemoment gestoßen. Ich fand das Thema sofort spannend, denn natürlich setzt sich jede Reise aus unglaublich vielen großartigen Augenblicken zusammen. Doch welche Momente sind die, die bei uns in besonderer Weise hängen bleiben?

Nach einiger Überlegung habe ich für mich festgestellt, dass es die positiven Überraschungen waren, die mich am meisten begeistert haben. Aus diesem Grund habe ich mich bei diesem Blogparaden-Beitrag dazu entschieden über Kapstadt und meine persönlichen Erlebnisse mit Minibusfahrten zu schreiben.

Minibusfahren in Südafrika ist für viele Weiße und viele Reisende überhaupt keine Option, es ist sogar regelrecht verpönt. Es sei zu gefährlich, es gäbe zu viele Unfälle und sowieso! Mir wurden immer nur entsetzte Blicke zugeworfen, wenn ich sagte, dass ich Minibusse nutze. Aber ich war Minibusfahren bereits aus anderen Ländern gewöhnt und es macht mir einfach zu viel Spaß um darauf zu verzichten 🙂 Und entgegen aller Panikmache und entsetzter Blicke kurvte ich mit diesen günstigen und schnellen Blechkisten völlig problemlos durch die ganze Stadt und habe dabei, entgegen aller Warnungen, meine positivsten Minibuserfahrungen überhaupt gemacht!

 

Von dem Versuch, den Hout bay food market zu finden

Mit zwei meiner Mitbewohnerinnen wollte ich an einem Sonntag in das Viertel Hout Bay, um dort auf den Food Market zu gehen. Wir hatten an dem Tag genügend Zeit und wollten deswegen den Minibus nehmen. Während wir im Bus saßen, stellten wir fest , dass wir uns alle in Hout Bay eigentlich gar nicht auskannten und auch nicht wussten, wie wir den Food Market finden sollten. Als wir in Hout Bay ankamen, klopfte meine Mitbewohnerin, die dem Fahrer am nächsten saß, auf die Schulter und fragte, wo wir denn aussteigen müssten. Er überlegte einen Moment und meinte dann: “I have a plan for you.” Wir schauten uns an und dachten uns nur: “Okay, was kommt jetzt??” Wir stoppten in einer kleinen Straße, er meinte, wir sollten hier aussteigen und gab uns knapp vier Rand zurück. Wir stiegen etwas desorientiert aus und er zeigte auf ein Auto, das neben dem Minibus auf uns wartete. Dieses Auto war ein Sammeltaxi (Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht einmal, dass es in Kapstadt Sammeltaxis gab). Wir quetschten uns mit zwei Frauen und vier Kindern in den Wagen und gaben dem Fahrer die paar Münzen, die uns der Busfahrer zurückgegeben hatte. Wie sich herausstellte, verlief die Minibuslinie nicht in der Nähe des Marktes, weswegen uns der Minibusfahrer an das Sammeltaxi weitervermittelt hatte. Das Geld, dass wir im Minibus sozusagen nicht “verfahren” hatten, hat er uns eins zu eins zurückgegeben, um das Sammeltaxi bezahlen zu können. Das Sammeltaxi ladete uns vor dem Food Market ab. Wir waren einfach nur baff wie fair und selbstverständlich uns geholfen wurde. Die Fahrt lief nicht nur unproblematisch, sondern blieb uns allen positiv im Gedächtnis.

 

Der Tägliche Weg zu meinem Praktikumsplatz

Minibussysteme zu verstehen ist nicht ganz einfach. Ich habe geschlagene zwei Monate gebraucht, um zu verstehen, wie ich mit Minibussen von der Main Station aus die Deutsche Schule erreiche (dort habe ich mein Praktikum gemacht). Der Haken war, dass ich nicht wusste, dass es in der Innenstadt zwei Minibustermials gibt: Einen für die Außenbezirke und einen für die Citybowl. Als ich dann das erste Mal bei dem kleinen Busterminal für die Innenstadt war, kam ich mit Locals ins Gespräch, die dort arbeiteten. Sie erkärten mir ausführlich, um welche Uhrzeit meine Linie fährt, welche Linien ich alternativ nehmen kann, usw. Da ich außerhalb der normalen Fahrtzeiten dort war, musste ich der alternativen Linien nehmen. Der Fahrer schmiss mich an dem Punkt heraus, von dem die Deutsche Schule am nächsten ist und erklärte mir noch ausführlich wie ich laufen muss. Am nächsten Tag kam ich zur richtigen Uhrzeit zum Minibusterminal und erwischte, wie am Vortag erklärt, meinen passenden Minibus. Da die Minibusse viel schneller sind, verkürzte sich die Zeit, die ich normalerweise von Tür zu Tür brauchte von etwa einer Stunde auf 35 Minuten.

 

Und noch einmal nach Hout Bay

Kurz vor meiner Abreise wollte ich mich abends noch mit einer Freundin treffen, die in Hout Bay wohnte. Dieses Mal nahm ich eine andere Verbindung wie beim letzten Mal. Die Linie, die ich nahm, kam von Wynberg aus und wieder einmal fand ich mich in der Situation wieder, dass ich mich nicht auskannte und nicht wusste, wo ich aussteigen sollte. Kaum hatten wir Hout Bay erreicht, bogen wir in einen Township ein. Die meisten Fahrgäste stiegen hier aus. Ich schluckte innerlich und hoffte, dass die Linie nicht mitten im Township ihre Endstation hatte. Am Schluss saßen nur noch der Fahrer, ein kleines Mädchen und ich im Minibus. Wir verließen den Township und ich hoffte, irgendetwas wiederzuerkennen, dem war aber nicht so. Nach ein paar Minuten drehte sich der Fahrer zu mir um. Wo ich denn eigentlich hin wolle, fragte er mich. Ich antwortete, dass ich zur Victoria Mall müsse und wollte wissen, ob diese auf der Linie liege. Er lachte und meinte: “No, but that’s no problem.” Da ich gemeinsam mit dem kleinen Mädchen, der letzte Fahrgast war, fuhr er mich persönlich bis direkt vor die Victoria Mall. “Do you know how to go on?”, fragte er als ich ausgestiegen war. Ich nickte und meinte, ich werde abgeholt. Erst als ich das telefonisch noch einmal abgeklärt hatte, war er zufrieden und fuhr weg.

 

Insgesamt habe ich mit den Minibussen in Kapstadt durchweg positive Erfahrungen gemacht! Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Fairness der Fahrer haben mich immer wieder überrascht und haben bestätigt, was ich mir von Anfang an dachte: Die Leute, die gegen Minibusse wettern, haben im Grunde genommen keine Ahnung. Was ich damit einfach sagen möchte: Try it and love it! 🙂

Wie benutze ich Minibusse?

Minibusse fahren Linien ab, die beiden Endpunkte werden meistens ausgerufen oder stehen an den Bussen. Entlang der Linie kann man ein- und aussteigen, wo man möchte. Man sollte sich also ganz grob auskennen, weil es keine Stationen gibt an denen man sich orientieren kann. Das Geld für die Strecke wird im Minibus direkt beim Fahrer oder Geldeinsammler während der Fahrt bezahlt. Dieses System funktioniert weltweit etwa gleich. In Kapstadt selbst sollte man aus Sicherheisgründen darauf achten keine Minibusse vor 6 Uhr morgens und nach halb/dreiviertel sieben abends zu nehmen.

 



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