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14 Fakten, die zeigen wie besonders Äthiopien ist

Es ist mittlerweile über drei Jahre her, dass ich aus Äthiopien zurückgekommen bin und das Bereisen und Kennenlernen anderer Länder hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Ich habe es geschafft seitdem viel zu sehen und viel zu lernen. Jede Reise hat neue Erkenntnisse gebracht, rückte das bisher Erlebte in einen neues Licht, relativierte, verschob es. Auch meine Wahrnehmung von Äthiopien wurde immer wieder verändert. Ich hatte es zwar immer gewusst, aber erst bei den Reisen durch andere afrikanische Länder wurde mir beispielsweise wirklich bewusst, welche Sonderrolle Äthiopien in vielen Punkten einnimmt.

Vielleicht fragst du dich jetzt, was an Äthiopien so einzigartig sein soll… Deswegen habe ich die vierzehn interessantesten Fakten zusammengestellt.

1. Äthiopien wurde als einziges afrikanisches Land nie kolonialisiert.

Die Italiener waren zwar bereits im Land und hatten das heutige Eritrea auch schon eingenommen, mussten sich 1896 bei der Schlacht von Aduwa jedoch geschlagen geben. Äthiopien behielt seine Unabhängigkeit. Der Tag ist bis heute fest im Nationalbewusstsein verankert und ist ein wichtiger Feiertag.

2. P1000515Äthiopien ist das höchst gelegene Land des ganzen Kontinents.

Alleine die Hauptstadt Addis Abeba liegt auf etwa 2300 Metern und zählt damit zu den 5 höchstgelegenen Hauptstädten der Welt. Der höchste Punkt  ist im Simien Mountains National Park im Norden Äthiopiens zu finden: Der größte Berg des Landes, der Ras Dashen, ist 4533 Meter hoch. In der kalten Regenzeit kann hier angeblich sogar Schnee fallen.

3. Als Gegenstück zum Hochland befindet sich im Nordosten des Landes einer der tiefsten und gleichzeitig heißesten Punkte der Erde: Die Danakilsenke reicht bis zum 120 Meter unter den Meeresspiegel und erreicht Temperaturen bis zu max. 70°C. Ein einzigartiges Naturschauspiel zeigt sich durch vulkanische Aktivitäten, wie durch den Erta Ale (s. Bild) oder Dallol.

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4. Egal wo oder bei wem man eingeladen wird: Es gibt immer eine Kaffee-Zeremonie! Kaffee ist das äthiopische Nationalgetränk, weil er ursprünglich aus Äthiopien stammt. Der Legende nach haben die Ziegen eines Hirten die Bohnen gegessen und waren danach völlig aufgedreht. Bis heute gibt es in Äthiopien traditionell fast nur die noch grünen Bohnen zu kaufen, die in einer Zeremonie frisch geröstet, gemahlen und aufgegossen werden. Dazu wird Weihrauch angezündet und Popcorn gereicht.IMG_3799

 

5. In Addis Abeba ist der Hauptsitz der Afrikanischen Union.

6. In der Amhara Region, im Nordwesten Äthiopiens, gibt es eine weltweit einzigartige Gemeinschaft: In dem Dorf Awra Amba sind Frauen und Männer absolut gleichgestellt, das gemeinsame Lebenskonzept basiert auf Gleichberechtigung und Solidarität. Beispielsweise werden Arbeiten und Aufgaben nicht nach dem Geschlecht, sondern nach Fähigkeiten und Interessen verteilt. Auch Religion wurde in der Gemeinschaft abgeschafft.

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Bete Giorgis, eine der elf Felsenkirchen von Lalibela

7. Der äthiopisch-orthodoxe Glaube gehört zu den ältesten Formen des Christentums.

Er festigte sich im 4. Jh. n. Chr. im damaligen Kaiserreich Abessinien und ist bis heute neben dem Islam die wichtigste Religion Äthiopiens. Vor allem im Norden des Landes findet man unzählige Kirchen mit jahrhundertealten religiösen Malereien, Schriften und Relikten. Manche Kirchen wurden auf Inseln errichtet (Bahir Dar), andere wurden in den Fels gehauen (Lalibela), teilweise in hohen Massiven- um dem Himmel näher zu sein (Gheralta).

 

8. Im heutigen Norden Äthiopiens und Eritreas lag vom 1.- 7. Jh. n. Chr. das Axumitische Reich. In der damaligen Hauptstadt Axum und dem Umland sind bis heute Überreste der Hochkultur erhalten oder wurden archäologisch freigelegt. Der Legende nach wird bis heute in einer Kirche in Axum die Bundeslade aufbewahrt.

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Das Stelenfeld in Axum. Jede Stele markiert das Grab einer ranghohen oder bedeutenden Persönlichkeiten des axumitischen Reiches.

(Nur zum Vergleich: Im 4. Jh. wurden die meisten Teile Deutschlands vom römischen Reich noch als Babaricum bezeichnet.) 

 

9. Der Nil, der in Ägypten ins Mittelmeer fließt, wird durch zwei Flüsse gespeist: Den weißen und den blauen Nil. Letzterer entspringt in Äthiopien im Tana-See und fließt durch das äthiopische Hochland, ehe er im Sudan auf den weißen Nil trifft.

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Die ersten hundert Meter des blauen Nils. Aufgenommen in der Morgendämmerung.

10. “Lucy”, das berühmte Skelett des Australopithecus afarensis, einem der Zwischenstadien auf dem Weg zum heutigen Homo Sapiens, wurde in der Afar-Region im Osten Äthiopiens entdeckt.

11. Äthiopien hat seinen eigenen Kalender und eigene Zeitrechnung. Demnach beginnt der Tag um 0.00 Uhr, wenn die Sonne aufgeht (europäische Zeitrechnung: 6.00 Uhr). Das äthiopische Neujahr liegt am 11. September (europ. Zeit) und ist insgesamt auch nicht in 12, sondern in 13 Monate aufgeteilt. Deswegen wirbt Äthiopien auch häufig mit dem Spruch: “Thirteen months of sunshine.”

12. P10301910Ich persönlich zähle die äthiopische Küche zu den besten weltweit! Grundbestandteil ist Injera, ein gräulich schwammiges “Fladenbrot”, das aus Teff hergestellt wird, einer Hirseart, die aus dem äthiopischen Hochland kommt. Das Injera wird mit verschiedenen Soßen, Fleisch oder Gemüse kombiniert. Hört sich erst einmal eklig an? Schmeckt aber großartig! Essen ist eine Gemeinschaftssache: Man isst mit den Händen von einer großen Platte und füttert sich auch gegenseitig.

13. Nach dem Glauben der Rastafaris ist Haile Selassi, der letzte Kaiser Äthiopiens, der Messias. Aus diesem Grund leben viele Anhänger dieser Glaubensrichtung im “gelobten Land” Äthiopien. Haile Selassi schenkte der Rastafari-Community auch ein Stückchen Land im Süden Äthiopiens, auf dem die heutige Stadt Shaschamene erbaut wurde. Dort leben bis heute viele Rastafaris und können ihren Glauben ausleben, u.a. wird der Anbau von Gras dort geduldet.

14. Noch ein Funfact: Es gibt in ganz Äthiopien mehr als fünf Millionen Esel. Vor allem in den ländlichen Regionen, aber auch in mittelgroßen Ortschaften oder in den Randgebieten der Städte werden sie überwiegend als Lastentiere eingesetzt.

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Straßenszene in Gondar.

 

Ich hoffe, es waren ein paar neue und spannende Fakten für euch dabei!


Herbst 2016: Äthiopien ist ein unglaublich spannendes Land. Leider kommt es seit etwa einem halben Jahr vor allem in der Oromia und Amhara Region immer wieder zu Demonstrationen, die auch schon viele Tote gefordert haben. Alle, die nach Äthiopien reisen wollen, sollten die politische Lage genau im Auge behalten und auf die Hinweise des Auswärtigen Amtes achten.


Und noch ein aktueller Lesetipp: In der aktuellen Novemberausgabe 2016 der Geo wurde sein sehr interessanter und guter Artikel zu dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen in Äthiopien veröffentlicht. Ich kritisiere ja immer gerne, aber an dem Beitrag gibt es wirklich nichts auszusetzen. Wirklich sehr lesenswert!



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4 People Replies to “14 Fakten, die zeigen wie besonders Äthiopien ist”

  1. Schöner Artikel! 🙂 Scheint ein unfassbar interessantes Land zu sein! Ist definitiv eines was ich unbedingt besuchen möchte:) Was hast du in dem Jahr gearbeitet als du dort warst?

    Du hast einen schönen Blog, man merkt dass du viel Herzblut hineinsteckst, schaue sicher öfter vorbei 🙂
    Ganz lieben Gruß aus den Niederlanden!

    1. Hey Franzi,
      vielen Dank! Ich freu mich sehr, dass dir mein Blog gefällt! 🙂
      Ja, Äthiopien ist ein super spannendes, wenn auch nicht einfaches Land, das weit mehr zu bieten hat, als die meisten annehmen.
      Ich war über das weltwärts-Programm dort und meine Einsatzstelle war an einer Primary School (Klasse 1-8) in Bahir Dar.
      Liebe Grüße! 🙂

      1. Wow das klingt nach einem aufregendem aber auch anstrengenden Jahr!
        Du bist ja schon in einigen afrikansichen Ländern rumgekommen, hast du einen Favoriten? 🙂 oder ist und bleibt das Äthiopien? 😛

        1. Haha, ja, das stimmt auf jeden Fall. Ich würde Äthiopien aber definitiv nicht zu meinen Lieblingsländern zählen: Ich schätze sehr vieles dort, aber auf Dauer ist es einfach (besonders als Frau) zu anstrengend. 😛 Zu Ländern, in denen man mal gelebt hat wird man aber wohl immer eine besondere Verbindung haben. 😉
          Am besten hat es mir bisher tatsächlich in Tansania gefallen, wobei Kapstadt für mich auf Platz 1 der schönsten Städte steht. Du hast auch schon einige Länder bereist hab ich gesehen… Uganda fänd ich auch mal superspannend! 😀