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Kapstadtgeschichten: Ein Plädoyer an Minibusse

 

Ganz ehrlich: Seit meinem Aufenthalt in Äthiopien liebe ich Minibusse. Sie sind schnell, günstig und wenn man sich an dem Fahrstil nicht stört, machen sie einfach nur Spaß. Während meines Praktikums in Kapstadt musste ich allerdings feststellen, dass Minibusfahren in Südafrika für viele Weiße und viele Reisende überhaupt keine Option darstellt, es ist sogar regelrecht verpönt. Es sei allgemein zu gefährlich, es gäbe zu viele Unfälle und man werde auf jeden Fall ausgeraubt. Mir wurden immer nur entsetzte Blicke zugeworfen, wenn ich sagte, dass ich Minibusse nutze. Aber ich war Minibusfahren bereits gewöhnt und es machte mir einfach zu viel Spaß, um darauf zu verzichten. 🙂 Deswegen düste ich trotz aller Panikmache und entsetzter Blicke mit diesen günstigen und schnellen Blechkisten völlig problemlos durch die ganze Stadt und habe dabei, entgegen aller Warnungen, meine positivsten Minibuserfahrungen überhaupt gemacht! Drei kleine, persönliche Beispiele möchte ich in diesem Beitrag vorstellen und damit andere Geschichten erzählen, als die, die so weit verbreitet sind.

 

Von dem Versuch, den Food Market in Hout Bay zu finden

Nachdem wir schon mehrere Male auf dem bekannten Old Biscuit Mill Markt im Viertel Woodstock waren, wollten zwei Mitbewohnerinnen von mir und ich an einem Sonntag auf den Food Market in Hout Bay. Wir hatten an dem Tag genügend Zeit und nicht mehr so viel Geld und beschlossen deswegen den Minibus nehmen. 😉 Während wir im Bus saßen, wurde uns allerdings klar, dass wir uns alle in dem relativ großen Viertel Hout Bay eigentlich gar nicht auskannten und auch nicht wussten, wie wir den Food Market finden sollten. Die Fahrt führte uns von dem Kapstadter Bahnhof über Camps Bay entlang einer wunderschönen Küstenstraße in den etwas abgelegenen Stadtteil. Als der Bus Hout Bay erreichte, klopfte meine Mitbewohnerin, die am weitesten vorne saß, dem Fahrer auf die Schulter und fragte, wo wir denn aussteigen müssten, um den Markt am besten zu erreichen. Er überlegte einen Moment und meinte dann: “I have a plan for you.” Wir schauten uns an und sahen schon im Blick der jeweils anderen, dass uns allen drei ein einziger Gedanke durch den Kopf schoss: ‘Was kommt jetzt?’ Wir stoppten in einer kleinen Straße, er meinte, wir sollten hier aussteigen und gab uns knapp vier Rand zurück. Wir stiegen etwas desorientiert aus und er zeigte auf ein Auto, das neben dem Minibus auf uns wartete. Dieses Auto war ein Sammeltaxi. (Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht einmal, dass es in Kapstadt Sammeltaxis gab.) Wir quetschten uns mit zwei Frauen und vier Kindern in den Wagen und gaben dem Fahrer die paar Münzen, die uns der Busfahrer zurückgegeben hatte. Wie sich herausstellte, verlief die Minibuslinie nicht in der Nähe des Marktes, weswegen uns der Minibusfahrer an das Sammeltaxi weitervermittelt hatte. Das Geld, das wir im Minibus sozusagen nicht “verfahren” hatten, hat er uns eins zu eins zurückgegeben, um das Sammeltaxi bezahlen zu können. Das Sammeltaxi schmiss uns direkt vor dem Food Market raus. Wir waren einfach nur baff wie fair und selbstverständlich uns geholfen wurde. Die Fahrt verlief nicht nur unproblematisch, sondern blieb uns drein sehr positiv im Gedächtnis.

 

Der tägliche Weg zu meinem Praktikumsplatz

Minibussysteme zu verstehen ist nicht ganz einfach. Ich habe geschlagene zwei Monate gebraucht, um zu verstehen, wie ich mit Minibussen von der Main Station aus die Deutsche Schule erreiche (dort habe ich mein Praktikum gemacht). Der Haken war, dass ich nicht wusste, dass es in der Innenstadt zwei Minibustermials gibt: Einen für die Außenbezirke und einen für die Citybowl. Als ich dann das erste Mal bei dem kleinen Busterminal für die Innenstadt war, kam ich mit Locals ins Gespräch, die dort arbeiteten. Sie erkärten mir ausführlich, um welche Uhrzeit meine Linie fährt, welche Linien ich alternativ nehmen kann, usw. Da ich außerhalb der normalen Fahrtzeiten dort war, musste ich der alternativen Linien nehmen. Der Fahrer schmiss mich an dem Punkt heraus, von dem die Deutsche Schule am nächsten ist und erklärte mir noch ausführlich wie ich laufen muss. Am nächsten Tag kam ich zur richtigen Uhrzeit zum Minibusterminal und erwischte, wie am Vortag erklärt, meinen passenden Minibus. Da die Minibusse viel schneller sind, verkürzte sich die Zeit, die ich normalerweise von Tür zu Tür brauchte von etwa einer Stunde auf 35 Minuten.

 

Und noch einmal nach Hout Bay

Kurz vor meiner Abreise wollte ich mich abends noch mit einer Freundin treffen, die in Hout Bay wohnte. Dieses Mal nahm ich eine andere Verbindung wie beim letzten Mal. Die Linie kam von Wynberg aus und wieder einmal fand ich mich in der Situation wieder, dass ich mich nicht auskannte und nicht wusste, wo ich aussteigen sollte. Kaum hatten wir Hout Bay erreicht, bogen wir in einen Township ein. Die meisten Fahrgäste stiegen hier aus. Ich schluckte innerlich und hoffte, dass die Linie nicht mitten im Township ihre Endstation hatte. Am Schluss saßen nur noch der Fahrer, ein kleines Mädchen und ich im Minibus. Wir verließen den Township und ich hoffte, irgendetwas wiederzuerkennen, dem war aber nicht so. Nach ein paar Minuten drehte sich der Fahrer zu mir um. Wo ich denn eigentlich hin wolle, fragte er mich. Ich antwortete, dass ich zur Victoria Mall müsse und wollte wissen, ob diese auf der Linie liege. Er lachte und meinte: “No, but that’s no problem.” Da ich gemeinsam mit dem kleinen Mädchen, der letzte Fahrgast war, fuhr er mich persönlich bis direkt vor die Victoria Mall. “Do you know how to go on?”, fragte er als ich ausgestiegen war. Ich nickte und meinte, ich werde abgeholt. Erst als ich das telefonisch noch einmal abgeklärt hatte, war er zufrieden und fuhr weg.

Insgesamt habe ich mit den Minibussen in Kapstadt (nur tagsüber!) durchweg positive Erfahrungen gemacht! Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Fairness der Fahrer haben mich immer wieder überrascht und haben bestätigt, was ich mir von Anfang an dachte: Die Leute, die gegen Minibusse wettern, liegen häufig falsch. Natürlich handelt es sich hierbei um meine persönlichen Erfahrungen, aber ich möchte damit einfach sagen, dass man es ausprobieren sollte, um sich ein eigenes Bild zu machen. Vielleicht wird man ja positiv überrascht. 🙂

 

Wie benutze ich Minibusse?

Minibusse fahren Linien ab, die beiden Endpunkte werden meistens ausgerufen oder stehen an den Bussen. Entlang der Linie kann man ein- und aussteigen, wo man möchte. Man sollte sich also ganz grob auskennen, weil es keine Stationen gibt, an denen man sich orientieren kann. Das Geld für die Strecke wird im Minibus direkt beim Fahrer oder Geldeinsammler während der Fahrt bezahlt. Dieses System funktioniert weltweit etwa gleich. In Kapstadt selbst sollte man aus Sicherheitsgründen auf jeden Fall darauf achten keine Minibusse vor 6 Uhr morgens und nach halb/dreiviertel sieben abends zu nehmen! In der Dämmerung und Dunkelheit sind die Busse tatsächlich nicht mehr sicher, dies wurde mir immer wieder von Locals eingeschärft. Der Minibusterminal, von dem aus die äußeren Stadtbezirke angefahren werden, befindet sich auf dem Dach der Main Station, die Busse für den Bereich der City Bowl fahren neben dem Bahnhof bei der Lower Plein Street ab.


Da es in Kapstadt eher nicht ratsam ist, Wertgegenstände (u.a. Kameras) in der Öffentlichkeit zu präsentieren, habe ich leider kein Foto von einem Minibus in Kapstadt gemacht. Das Titelbild zeigt einen Minibus auf der Garden Route. 



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