Ein besonderer Ort in Addis: Das Netsa Art Village

Kunst.

In Deutschland hat man die Wahl: Hat man kein Interesse, muss man sich auch nicht weiter damit auseinandersetzen. Hat man eine Neigung dazu, kann man viele Wege gehen: Museen, kreative Workshops, Kunstkurse und künstlerische Ausbildungs- und Studiengänge werden fast flächendeckend angeboten.

Kunst?

In Äthiopien handelt es sich dabei leider eher um eine Randerscheinung. Religiöse Malereien sind von großer Bedeutung, aber moderne Auseinandersetzungen mit Kunst muss man suchen. In Addis Abeba selbst gibt es zwar eine Kunsthochschule und auch eine Kunstszene, doch insgesamt wird vor allem außerhalb der Hauptstadt nur wenig Wert auf kreative Arbeit gelegt. Am Anfang dieser Kette steht die Tatsache, dass kaum eine Schule  Kunstunterricht oder andere gestaltende Fächer anbietet, es wird darin kaum eine Notwendigkeit gesehen.

Aus diesem Grund ist das „Netsa Art Village“ in Addis Abeba so ein besonderer Ort.  Am nordöstlichen Rand der Stadt lebt und arbeitet eine Künstlercommunity auf einem weitläufigen Gelände, das genug Platz für ein Atelier, Wohnhäuser, ein Ausstellungsgebäude und Gemüsebeete zur Selbstversorgung bietet.

Wir, zwei Mitfreiwillige und ich, bekamen von einem der Künstler eine Führung über das Gelände und durften uns sowohl die fertigen Werke in den Ausstellungsräumen, als auch die Gemälde im Atelier anschauen, die sich noch mitten im Entstehungsprozess befanden. Bei den ausgestellten Bildern und Plastiken waren einige von Schülern gefertigt, die erst in der Woche davor in den Schulferien an einem mehrtägigen Kunstworkshop teilgenommen hatten.

Eines der ausgestellten Werke

Bildersammlung im Atelier

Einer der Künstler zeigt uns sein vor kurzem fertiggestelltes Werk

Eine Kugelschreiberzeichnung in Arbeit

Beim Durchstreifen des Geländes sind wir immer wieder auf einzelne Skulpturen gestoßen, die im Grün plaziert waren. Dabei wurden bei der Fertigung unterschiedlichste Materialien verwendet, wie beispielsweise Holz oder Metall.

Der Besuch im „Netsa Art Village“ war eine ganz besondere Erfahrung, da es uns eine neue Facette der äthiopischen Gesellschaft zeigte, mit der wir die ganze Zeit nicht in Berührung gekommen waren. Künstlerisches Wirken ist eine Randerscheinung und in einem Land, das gegen kritische oder andersdenkende Stimmen vorgeht, nicht einfach, aber Orte wie das „Netsa Art Village“ zeigen, dass es möglich ist. Denn „Netsa“ bedeutet ins Deutsche übersetzt „frei“.


Wie erreiche ich das Netsa Art Village?

Es ist tatsächlich nicht ganz einfach das Art Village zu finden. Da wir nur grobe Informationen hatten, wo es genau liegt, sind wir erst einmal mehrere Stunden durch das ganze Viertel geirrt. Es gibt jedoch einen ziemlich simplen Weg, wie wir auf der Rückfahrt festgestellt haben:

Mit dem Minibus fährt man  am Besten zum Kreisverkehr  ‚6 (amh.: Sedist) Kilo‘  im Norden Addis Abebas. Von dort kann man das „Netsa Art Village“ dann zu Fuß erreichen. Hierfür folgt man der Angola Street in Richtung der französischen Botschaft. Nach dem Überqueren eines kleines Flusses, biegt man am Fuß des Hügels rechts ab. Wenn man von dieser Richtung kommt, kann man auch ein kleines Schild sehen, dass das Netsa Art Village bereits ausschreibt. (Achtung, leicht zu übersehen.) Diesem Weg folgt man ein paar hundert Meter bis zum Eingangstor des Geländes, das auf der rechten Seite liegt.

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