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Der Schweizer Jakobsweg Teil 3: Von Lungern bis nach Burgistein

Nachdem ich im letzten Beitrag davon berichtet habe, wie wir mit der Unterstützung von lieben Menschen und doch bei relativ schlechtem Wetter den Lungernersee erreicht haben, geht es heute im Sonnenschein weiter durch die Zentralschweiz bis hinter den Thunersee.

Tag 9: Lungern – Ringgenberg am Brienzersee

Als wir in diesen Wandertag starteten, nieselte es immer noch leicht und die Wolken verdeckten nach wie vor die  Berge um uns herum. Immerhin waren die Temperaturen angenehm, wir ließen den Lungernersee hinter uns und machten uns auf den Weg zum Brünigpass. Von den Besitzern des Hofes wussten wir, dass man bei schönem Wetter von dort aus eigentlich einen perfekten Blick auf die umliegenden Berge hat. Als wir zwei Stunden später dort ankamen, hing der Pass leider mitten in einer Wolke, von den Bergen war nichts zu sehen. Wir stiegen in Richtung Brienz ab und kurz davor riss die Wolkendecke endlich auf. Der See, die umliegenden Berge, Brienz, alles erschien in einem ganz neuen Licht. Motiviert durch das gute Wetter beschlossen wir an diesem Tag gut Strecke zu machen. Der Weg führte direkt am Brienzersee entlang und war unglaublich schön.

Beschauliche Bahnhofstation in Brienz-West

Blick über den Brienzersee

Allerdings stellte sich ziemlich bald heraus, dass es entlang des Sees keine Höfe gab. Da das Ufer direkt in die steilen Berge überging, passierten wir lediglich ein paar Forstwirtschaftsbetriebe. Aus diesem Grund beschlossen wir, an diesem Abend auf einem Campingplatz zu übernachten. Nach fast 30 Kilometern erreichten wir kurz vor Interlaken einen Campingplatz in dem kleinen Vorort Ringgenberg. Die Frau an der Rezeption war etwas überambitioniert und wollte uns direkt diverse Ausflügspakte in der Umgebung verkaufen. Ziemlich müde und etwas verwirrt von der plötzlichen Flut an Angeboten nahmen wir aus Höflichkeit einen Übersichtsplan mit, lehnten aber alles weitere dankend ab. Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten, warfen wir einen Blick in die Broschüre und mussten feststellen, dass wir uns in unmittelbarer Nähe von einer der wohl bekanntesten Gegenden der Schweiz befanden, dem Gebiet um die Ortschaft Grindelwald. Diese liegt am Fuß des Eigers, der durch seine Nordwand berühmt wurde und auch das Jungfraujoch zwischen den Nachbarbergen Jungfrau und Mönch ist vielen ein Begriff. Da wir insgesamt gut in der Zeit waren und die Chance nutzen wollten, einmal einen Blick auf diese Berge zu werfen, beschlossen wir spontan am nächsten Tag eine Pause einzulegen – um dann bei Grindelwald wandern zu gehen.

Tag 10: Wanderausflug nach Grindelwald

Am nächsten Morgen standen wir wie gewohnt früh auf. Wir hatten uns am Abend davor noch einen Plan für den heutigen Tag zurecht gelegt. In unserer Übernachtung auf dem Campingplatz war ein Tagesticket für öffentliche Verkehrsmittel mit inbegriffen. (Was übrigens eine allgemeine Regelung in der Schweiz ist.) Damit führen wir von Ringgenberg über Interlaken bis nach Wilderswil. Hier endete der Geltungsbereich des Tickets. Von hier aus führt eine einzige Straße bis nach Grindelwald, sprich, alle die dort hinfahren wollten, mussten diesen Weg nehmen. Da der Tag passenderweise ein Sonntag war, gab es unzählige Wochenendausflügler, die den Sonntag in den Bergen verbringen wollten. Wir stellten uns also unweit vom Bahnhof, an dem wir von Interlaken aus angekommen war, an die Straße und wurden nach einer knappen halben Stunde von einem Pärchen bis nach Grindelwald mitgenommen.

Dort angekommen holten wir uns in der Touristeninformationen einen Plan für Rundwanderungen und entschieden uns für eine kleine Strecke von etwa drei Stunden. Es war etwas ungewohnt ohne Gepäck unterwegs zu sein und auch die paar Stunden waren verhältnismäßig kurz, insgesamt war diese kleine Wanderung aber wunderschön. Wir hatten fast durchgehend ein unglaubliches Panorama auf die umliegenden Berge.

Blick auf die Eigernordwand, am Fuß des Berges sind die Ausläufer Grindelwalds zu sehen

Wunderschöne Bergidylle

Hin und wieder wurde unser Weg von Mountainbikern gekreuzt, da an diesem Tag in dem Gebiet eine Fahrradralley stattfand. Auf dem Rückweg kamen wir an einer Kreuzung mit einer Schweizerin ins Gespräch, die eine der Getränkestationen betreute. Zum Abschied schenkte sie uns noch eisgekühltes Rivella und wünschte uns noch eine gute Weiterreise.

Das perfekte Werbefoto: Rivella vor den schweizer Alpen

Tag 11: Interlaken West – Thun

An diesem Morgen nutzen wir noch einmal, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in der Übernachtung auf dem Campingplatz inbegriffen waren und fuhren von Ringgenberg bis nach Interlaken West, um diese zugegebenermaßen nicht sonderlich schöne Stadt zu umgehen. Interlaken liegt direkt zwischen dem Brienzer- und dem Thunersee, sodass wir in Interlaken West fast direkt am Thunersee herauskamen. Von dort aus führte uns der Weg am Ufer dieses wunderschönen Sees entlang bis nach Thun, der Stadt, der der See seinen Namen verdankt.

Wunderschöner Thunersee

Blick auf das Thuner Schloss

Thun war das Ziel unserer heutigen Etappe, da wir zum einen aus dem Wanderführer entnommen hatten, dass man in einem Kloster in Thun als Pilger kostenlos übernachten konnte und zum anderen weil sich dort eine alte Schulfreundin meiner Mitbewohnerin uns anschließen wollte.

In Thun wurden wir tatsächlich von einem Mitarbeiter aus dem Kloster abgeholt und freuten uns an diesem Abend auf ein richtiges Bett und eine warme Dusche.

Tag 12: Thun – Burgistein

An diesem Morgen konnten wir erst später aufbrechen, da sich in den letzten Tagen die Sohle meiner Schule zunehmend gelöst hatte und ich, nach der verzweifelten Suche nach einem Schuhmacher am Abend davor, beschlossen hatte, einfach selbst einen Kleber zu kaufen und die Sohle gemeinsam mit Tape dadurch notdürftig zu fixieren. Neue Schuhe zu kaufen war keine Option, sodass es nur diese Möglichkeit gab. Leider machte der einzige Laden mit einer großeren Auswahl an Klebern erst um 8.30 Uhr auf. Wir überbrückten die Zeit bis dahin einfach mit einem gemütlichen Frühstück am Wasser und als sich die Tore endlich öffneten, wurde ich auch direkt fündig. Der Kleber musste zwar mehrer Stunden trocken, sodass ich diese Tagesetappe noch mit Tape überbrücken musste, abends würde ich dann meine Schuhe aber reparieren können.

Ich am Thunersee. Hinten links sind Eiger, Mönch und Jungfrau zu sehen

Wir starteten an diesem Tag also zu dritt und ein bisschen später als üblich in unsere Tagesetappe und wunderten uns sehr bald über die Wegführung, die uns gefühlt an der anderen Uferseite zurückführte, also in die völlig falsche Richtung. Bei Gwalt verloren wir dann auch noch komplett den Weg, zumindest fanden wir keine Markierungen mehr und der Wanderführer gab uns an dieser Stelle leider auch keinen Aufschluss. Wir irrten durch das Wohnviertel, in dem wir uns gerade befanden und fragten schließlich eine ältere und sehr betucht aussehende Frau nach dem Weg. Sie konnte uns leider nicht direkt weiterhelfen, bot uns aber spontan an, uns zu dem nächsten Punkt im Wanderführer zu fahren, den sie kannte. Ehe wir uns versahen, saßen wir in ihrem schicken SUV. Mittlerweile waren wir fast zwei Wochen unterwegs und unsere tägliche getragenen Klamotten waren in einem dementsprechenden Zustand. Der Kontrast zu ihren beigen Ledersitzen hätte gar nicht größer sein können. Zu stören schien es sie auf jeden Fall nicht und wir waren wieder einmal von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Schweizer begeistert.

Sie fuhr uns bis zu einem Waldparkplatz, von dem aus wir tatsächlich den Jakobsweg nach wenigen Meter wieder erreichten. Von hier aus entfernten wir uns endlich vom Thunersee, so wie es eigentlich auch gedacht war. Mit der zunehmenden Entfernung vom See fing die Landschaft an sich stark zu verändern. Die hohen Berge hatten wir hinter uns gelassen und vor uns erstreckten sich sanfte, grüne Hügel, soweit das Auge reichte, der Himmel blau, die Ortschaften malerisch. Ohne Frage: Wir waren im Auenland angekommen.

Idylle pur

Die sanften Windungen durch die Hügel führten uns schließlich bis nach Burgistein, unserem heutigen Etappenziel. Tatsächlich handelte es dich dabei um keine richtige Ortschaft, sondern vielmehr um eine Ansammlung von Höfen, sodass es auch hier kein Problem war ein Fleckchen Wiese zum Übernachten zu organisieren. Als ich abends in der Auffahrt des Hofes saß und Tagebuch schrieb, wurde ich mit einem unglaublichen Panorama belohnt. Das war wieder einmal einer der Momente, in denen ich gar nicht aufhören konnte zu lächeln.

Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Davor erstreckt sich der Thunersee, an dem wir morgens gestartet sind.


Im nächsten Beitrag berichte ich über die letzten vier Tage unserer Wanderung, die uns über Freiburg/Fribourg bis nach Lausanne geführten.

 



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