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Zu Fuß und Low Budget durch die Schweiz: Meine persönlichen Tipps für den Schweizer Jakobsweg

Die Schweiz ist ein wunderschönes, aber auch leider ein sehr teures Reiseland. In den letzten vier Beiträgen habe ich über die verschiedenen Etappen auf unserem Weg von Konstanz nach Lausanne berichtet, heute möchte ich meine persönlichen Tipps und Erfahrungen mit euch teilen, wie es möglich ist, günstig und auch flexibel durch die Schweiz zu wandern.

Das eigene Zelt: Der Schlüssel zum günstigen und unabhängigen Reisen

Die Lösung mit dem Zelt ist genauso simpel wie genial (wie sich im Nachhinein herausgestellt hat). Unser Ausgangspunkt für diese Entscheidung war die schlichte Tatsache, dass tägliche Übernachtungen in der Schweiz unser Konto gesprengt hätten. Das Zelt war also die einzige finanzierbare Option, über Alternativen machten wir uns kaum Gedanken. Dabei ist zu beachten, dass wild campen in der Schweiz verboten ist und die Strafen, falls man erwischt wird, extrem hoch sind. Insbesondere in Naturschutzgebieten ist absolut davon abzuraten, das Zelt einfach aufzubauen. Dagegen ist das Zelten auf Privatgrundstücken natürlich erlaubt. Wir überlegten uns also bei Höfen zu übernachten.

Unsere Zelte am Sihlsee auf der Wiese eines Landwirts: Schöner kann man gar nicht campen

Tatsächlich stellten wir bereits in den ersten paar Tagen fest, dass unser Plan problemlos funktionierte: In der Schweiz gibt es unzählige Höfe. Insbesondere entlang des Jakobswegs sind wir gefühlt alle hundert Meter an einem vorbeigekommen. Wir erklärten den Anwohnern, dass wir auf dem Jakobsweg unterwegs seien und fragten, ob wir auf einem kleinen Stückchen auf der Wiese unser Zelt aufstellen dürften. Alle waren sehr lieb und hilfsbereit, häufig bekamen wir noch Zugang zu fließendem Wasser oder wurden noch auf einen Tee oder Kaffee eingeladen, nur aus Freundlichkeit und Interesse. Tatsächlich wurden wir nicht ein einziges Mal abgewiesen und kamen durch diese Art zu Reisen mit vielen Menschen in Kontakt.

Zusätzlich konnten wir unsere täglichen Routen flexibel gestalten: Da wir in regelmäßigen Abständen an Höfen vorbeikamen, könnten wir genau so weit laufen, wie es an diesem Tag für uns passte und mussten dadurch nicht weiterlaufen oder früher die Strecke beenden, nur weil wir im Voraus eine Unterkunft gebucht hatten. Für uns war diese Art des Reisens perfekt: Wir mussten für die Übernachtungen nichts zahlen, trafen dadurch viele liebe Menschen und konnten unseren Weg flexibel einteilen.

In mehreren Nächten hatten wir sehr starken Regen, sodass wir uns entschieden, ein festes Dach über dem Kopf zu suchen. Zweimal haben wir bei “Schlafen im Stroh” (30 Franken pro Person und Nacht, das Frühstück war aber mit inbegriffen) und einmal in dem Kloster Bethanien (20 Franken) übernachtet. Günstigere Unterkünfte wird man schwer finden, nur in einer Kirche in Thun konnten wir einmal kostenlos übernachten.

Die Kunst des Packens

Nur mit einem Zelt war es in unserem Fall natürlich nicht getan: Tatsächlich hatten wir zu zweit eine minimalistische, aber komplette Campingausrüstung dabei. Das klingt zunächst nach viel Gepäck, aber wir haben uns erstaunlich schnell daran gewöhnt. Unsere Rucksäcke hatten mit vorratsbedingten Schwankungen zwischen 12-15 Kilo. Klingt nach viel? Ist es aber bei einem guten Rucksack und ein klein bisschen Training nicht. Am ersten Tag haben wir auch noch geächzt, am zweiten Tag haben wir das Gewicht schon fast nicht mehr gemerkt. Und wie sich an den Bekanntschaften mit anderen Pilgern gezeigt hat, korrelieren die Fülle des Gepäcks und der Übernachtungsstil nicht unbedingt. Natürlich haben wir andere getroffen, die mit kleinen und leichten Rucksäcken unterwegs waren, wir trafen jedoch auch Pilger, die trotz der Hotelübernachtungen über 20 Kilo schleppten. Wie sie das geschafft haben, ist uns aber bis heute nicht klar.

Ich mit meinem Rucksack. Für die sperrige Isomatte war drinnen kein Platz mehr…

Es kommt also nicht auf die Art des Wandern an, sondern auf die persönliche Packliste und vor allem auf die Reduzierung auf das Nötigste. In der folgenden Liste habe ich aufgeführt, was wir eingepackt hatten. Dabei ist natürlich zu beachten, dass wir uns manche Gebrauchsgegenstände geteilt haben und andere, wie z.B. Klamotten separat gepackt wurden. In der Liste ist nun aufgeführt, was ich als einzelne Person verwendet habe:

  • Zelt
  • Schlafsack (mit Inlay), Isomatte
  • 1 Top und 1 T-Shirt zum Wandern, 1 Schlafshirt
  • 1 Pulli
  • 1 Fliesjacke (super auch als Kissen verwendbar)
  • 1 kurze Hose, 1 lange Hose
  • 1 Schlafhose/lange Unterhose/Strumpfhose
  • 1 Mütze
  • 1 Buff
  • 3 Paar Socken: 2 zum Wandern, 1 für Abends/Nachts
  • 3 Paar Unterwäsche
  • Regenjacke + Regenhose
  • Regenüberzug für den Rucksack
  • 1 Mikrofaserhandtuch
  • 1 Waschlappen
  • Zahnbürste, Zahnpasta, Deo, Bürste, Haargummis, Sonnencreme, Blasenpflaster, kleines Duschgel, kleines Shampoo (allzu häufig kommt man sowieso nicht zum Duschen)
  • Seife zum Waschen der Klamotten
  • Wanderführer
  • Wanderstöcke
  • Wanderschuhe
  • 1 Paar FlipFlops
  • Tagebuch (nur ein dünnes Heftchen)
  • Erste-Hilfe-Set und ggf. Medikamente
  • Topf zum Kochen, Feuerzeug, kleine Plastikschüssel, kleine Flasche mit Öl, kleiner Behälter mit ein paar Gewürzen
  • Schweizer Taschenmesser, Gabel, Löffel
  • Campingkocher
  • Plastikflaschen fürs Wasser
  • Plastikbeutel für den Müll
  • Personalausweis, Krankenversichertenkarte, Studienausweis, Bankkarte

Das sieht jetzt im ersten Moment nach einer relativ langen Liste aus. Doch ich habe jeden einzelnen Gegenstand gebraucht, mehr aber auch nicht. Das ist meine persönliche, minimale Ausrüstung für eine Fernwanderung.

Speis und Trank

Da der Jakobsweg ein historischer Pilgerweg ist und die Schweiz allgemein relativ dicht besiedelt ist, führt er täglich durch mehrere Ortschaften. Wir konnten also bei Bedarf immer frisch einkaufen. Tatsächlich hatten wir einiges an Grundnahrungsmitteln, wie beispielsweise Couscous oder Reis aus Kostengründen bereits in Konstanz gekauft. Allerdings stellte sich sehr bald heraus, dass solche Lebensmittel kaum mehr kosten als in Deutschland. Restaurants sind extrem teuer, aber da wir für abends unseren Kocher dabei hatten und tagsüber Brot aßen, waren wir davon unabhängig.

Der Zugang zu Trinkwasser gestaltete sich auch einfacher als gedacht: In fast jeder Ortschaft gibt es einen Dorfbrunnen, dessen Wasser man problemlos trinken kann. Es lautet die Devise: Wenn nicht explizit vermerkt ist, dass das Wasser nicht trinkbar ist, kann man es ohne Probleme genießen. Durch den ständigen Zugang zu Wasser, mussten wir nicht so viel transportieren und sparten dadurch an Gewicht. Wenn doch einmal kein Brunnen zu finden war, fragten wir einfach bei Anwohnern nach. Das war nie ein Problem, alle waren sehr hilfsbereit und füllten unsere Flaschen wieder auf und manchmal bekamen wir auch andere Getränke einfach geschenkt.

Die Versorgung auf dem Weg ist also absolut problemlos und auch mit einem kleinen Geldbeutel vereinbar.

Fazit

Obwohl die Schweiz eines der teuersten Länder Europas ist, bietet sie auch die Strukturen sehr günstig reisen zu können. Die Möglichkeit auf Höfen zelten und selbst kochen zu können sowie der kostenlose Zugang zu Wasser waren die Hauptpunkte, bei denen wir sparen konnten und die uns gleichzeitig ein sehr flexibles Reisen ermöglichten. Natürlich hatten wir dadurch mehr Gepäck zu tragen als manch andere Pilger, aber daran haben wir uns schnell gewöhnt. Rückblickend würde ich es auf jeden Fall noch einmal so machen.

Für die 16 Tage Wanderung haben wir umgerechnet insgesamt etwa 260 Euro ausgegeben, wobei eine Übernachtung im Kloster Bethanien, die zwei Übernachtungen bei “Schlafen im Stroh” und auf dem Campingplatz bei Interlaken sowie die letzte Übernachtung auf dem Campingplatz nach Lausanne mit insgesamt fast 120 Franken schon einen sehr großen Anteil ausgemacht hat. Dabei waren die Campingplätze natürlich sehr viel günstiger als die Übernachtungen mit richtigen Dach überm Kopf. Zelten lohnt sich also.

Wenn man mehr Komfort möchte als es ein Zelt bieten kann und nicht selbst kochen kann/möchte, wird es also sehr schnell teuer. Allerdings haben wir sehr viele Reisende getroffen, die bereits mehrere Jahre gearbeitet hatten und sich ihre Wanderung locker finanzieren konnten.


Warst du auch schon auf dem Jakobsweg unterwegs? Wie hast du deine Wanderung gestaltet? Freue mich über eure Erfahrungen und Tipps!


Über unseren Weg von Konstanz nach Lausanne habe ich in den folgenden Beiträgen berichtet:



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